![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
||||||
| Agressionsfabriken Es gibt Orte, die nenn ich inzwischen Agressionsfabriken. Nehmen wir mal zum Beispiel die Deutsche Bundespost, wahrscheinlich heisst sie garnicht mehr so. Ich werd das nie lernen mit diesem neumodernen Aktienkrams. Ich denke sowas wird erst dann richtig interessant wenn man einen grossen Batzen Geld hat, und man nicht weiss wohin damit, wer kann das schon von sich behaupten. Egal, heute war ich mal wieder auf der Post, weil mein dämlicher Chef das programmierte Chaos so sehr liebt, das er erst kurz vor der lange angekündigten Verschickung von schlappen 100 CDs das Portogeld schwitzend und keuchend ins Büro brachte, was mich indirekt dazu verdonnerte zur Hauptzeit auf der Post Briefmarken erstehen zu müssen. Eigentlich war ich gut gelaunt, wenn man bedenkt, das ich gleich da unten auf die Strasse musste, wo all die sonnenbankgebräunten, glücklichen, selbstbewussten, durchtheraphierten, wortgewandten und vor allem straighten Leute rumliefen. Ich befand mich nämlich in der Existenzgründer- und Medienhölle der Hansestadt Hamburg. Im Zickzack geht es da durch gestresste, ständig telefonierende Menschen, die sich eigentlich in einem Meeting befinden und sich nebenher Thailändische Süppchen und italienische Expressi im stehen reinschlonzen. Also Kopf nach unten, nach hinten austreten, den Schweif in Ordnung bringen, die Hörner ausfahren und los gehts. Schnaub!!! Ich hatte schon die grösste Strecke hinter mich gebracht, da sah ich schon von Ferne das Unglück, das da auf mich wartete, und zwar in Gestalt eines Strassenmusikers. Oh my goodness, wie ich diese Typen hasse, die vollkommen selbstvergessen schlechte Musik spielen und darauf auch noch mächtig stolz sind. Aber im Grunde genommen ist das Thema Strassenmusik nochmal ein Extra Kapitel wert, deswegen will ich mich nur kurz bei dieser speziellen Gestalt aufhalten um später diesem Gebiet einmal gebührend Respekt zu erweisen. Er stand also da, magersüchtig, alt, die langen blonden Haare zu einem dünnen Zopf gebunden, im Jeansdress mit einem kleinen Verstärker (unter dem macht es heutzutage kein Strassenmusiker mehr, der was auf sich hält) und einer durchaus amtlichen, originalen Fender Stratocaster die bestimmt nicht unwesentlich jünger als ihr Besitzer war. Da stand er nun also und spielte ausnehmend langweilige Bluesriffs auf eine dermassen abgewichste Art und Weise, das ich ihn am liebsten an Ort und Stelle für seine Blasphemie verprügelt hätte. Natürlich hatte er auch den guten alten Jimi Flinkfinger Hendrix im Repertoire - der darf bestimmt nicht fehlen - was die Sache ja meiner Meinung nach nur noch verschlimmert. Diese Arschgeigen haben einfach kein Respekt! Man sollte eine Index Liste rausgeben mit absoluten NoNo`s für Strassenmusiker, dazu müssten dann auf jeden Fall Jimi Hendrix, Stones/Beatles, Niel Young und z.B. extrem wichtig und an erster Stelle Bob Dylan gehören. Wenn jemand dieses Gesetz überschreitet müsste man das Recht haben, seine eigens für diese Zwecke angeschaffte Knarre zu ziehen und die Person auf der Stelle nieder zustrecken. Natürlich wären die Kugeln nur bei Strassenmusikern tödlich, ansonsten würde ich mir wahrscheinlich den Weg zur Post freischiessen, und das ist wäre leider! etwas übertrieben.... Das unerträglich fiese an dem Typen war nicht nur seine Selbstzufriedenheit - etwas was mir dieser Tage sowieso mächtig auf den Kecks ging - sondern auch seine nonchalanten Bewegungen, unterdrückte Spielfreude quasi - weil, noch ist es nicht soweit, noch befinden wir uns nur beim Soundcheck in Woodstock, aber die Massen bewegen sich schon über den Highway, oder reiben sich den Schlaf aus den Augen, nichtsahnend von dem grossen Ereignis das sie erwartet. Arrgghhh!!! I don´t get this! Grimassen schneidend , drückte ich mich an ihm vorbei. Meinem Unmut musste ich ja schon Ausdruck verleihen, er konnte froh sein wenn ich ihn nicht anpöbelte oder verhaute! Jetzt warens nur noch wenige Meter bis zur Treppe des Postgebäudes. Ich bin gezwungen meinen Blick zu erheben um auf der Treppe nicht mit wildfremden Leuten zusammen zukrachen und sah schon die Schlange die heute, wahrscheinlich nur mir zu Ehren - weil die Postler wissen das ich heute noch einen Schreibanfall kriegen werde und unbedingt Erwähnung finden wollten - bis zur Eingangstür rausquillt. OkOk, es gibt für solche Fälle Meditationsübungen, ich weiss zwar nicht wie die genau gehen, aber ich wette um 100 Mark das man da mit tief durchatmen und an was schönes denken nicht total falsch liegt, oder? Also fing ich grade an mir vorzustellen was für Autos ich besitzen würde, wenn ich genug Geld hätte sie mir zu kaufen und grunzte dabei zufrieden vor mich hin. Heute Mittag hatte ich im Stau hinter einem alten Jaguar gestanden, die stehen einfach immer noch ganz oben auf der Liste, danach kommen sofort Volvos und Peugot, allerdings sind zum alltäglichen Gebrauch die Italiener auch nicht schlecht...... "Anja, Thea, ich hab doch gesagt nur eins, und, wieviel sind das? Na komm, ich weiss das du schon soweit zählen kannst! Es sind drei, genau. Sei brav, und bring die anderen zurück, und beeil dich, wir sind gleich dran!" Scheisse, Scheisse! Ein Muttertier! Das ist unfair! Und dann auch noch die Sorte, die es supercool findet, allen zu zeigen, wie toll sie ihre Kröten im Griff hat. Ausserdem ist sie wahrscheinlich der Meinung das Kinder nichts nerviges sind, sondern was ganz normales, was in den Alltag intigriert gehört, d.h. wenn Kinder da sind ist jede/r gefordert sich mit ihnen auseinander zusetzten. Das ist ungefähr damit zu vergleichen, wenn zwei Männer sich über die Gebühr laut damit brüsten, Unmengen von Alkohol verkonsumiert zu haben und dabei Tussi XY ganz beindruckt war, und normal hätte man sie ja geknallt, aber sie hatte auch ganz schön getankt und man ist ja Gentlemen.... Ich will diese Perverse Scheisse echt nicht hören und wie Leute ihre Kinder erziehen, ist nun mal einfach zu 99% fürn Arsch, sonst wär die Welt ´ne bessere! In diesem Fall waren die Kinder extrem unnervig, im Klartext, sie haben keinen Pips von sich gegeben. Die einzige, die die ganze Zeit krakeelt hat war die Mutter, was im übrigen sehr häufig zu beobachten ist. So kam also immer wieder der aktuelle Stand der noch zu verbleibenden Wartezeit von Seiten der Mutter, während die beiden Kinder extrem ruhig und friedlich damit beschäftigt waren Geburtstags- und Kommunionskarten neu zu sortieren, was ihnen sicher nicht schlecht bekam - den Karten mein ich jetzt. Die Kinder waren so sehr mit ihrer Aufgabe beschäftigt, das sie im Zweifel die einzigen waren, die das Gegreine der Mutter garnicht wahrnahmen, während dem Rest, der im Saal versammelten so langsam aber sicher das Messer in der Tasche aufging. Es könnte allerdings auch sein, das die Kinder diese göttliche Gabe hatten, ihre Mutter einfach auszublenden, was ihnen absolut zu wünschen gewesen wäre. Endlich war es soweit, unter grossem Getöse und Geschrei wurde verkündet das man jetzt dran sei, was heftige, aber natürlich unterdrückte Neidanfälle bei mir hervorrief. Die Kinder, immer noch vollkommen unbeeindruckt, spielten weiter mit dem Arrangement der Karten. Die Mutter versuchte gleichzeitig ihre Postgeschäfte zu erledigen und ihre Rasselbande zusammenzuhalten, indem sie den jungen Herrn am Schalter einfach stehen liess um in Ruhe ihre einseitige und einsame Kommunikation weiter zu führen. Dem Nervenzusammenbruch nahe, musste ich das Schauspiel mehrer Minuten mit ansehen. "Die Frau ist doch tatsächlich fähig den ganzen beschissenen Betrieb hier aufzuhalten", murmelte ich mir in den Bart, ohne aufzublicken, weil ich Schiss hatte durch entweder zustsimmende oder verständnislose Blicke entgültig die Fassung zu verlieren, und die Mutter darüber aufzuklären, das sie mit ganz prima Kindern gesegnet sei, was man von denselben bezüglich ihrer Mutter leider nicht behaupten könne... Endlich bequemten sich die Kleinen zu ihrer Erziehungsberechtigten, was ihr zum Glück dann auch prompt das Maul stopfte, Hallelulja!!! Leider musste sie beim verlassen der Post noch allen Versammelten mitteilen, wo es als nächstes hinging, nämlich in ein Buchgeschäft, jawohl!! Der weitere, sicherlich sehr spannende Verlauf eines Tages in dieser abgebrochenen Kleinfamilie verhallte vor dem Gebäude..... Die nächsten Minuten verliefen friedlich und waren nicht weiter nennenswert, und irgendwann kam ich sogar dran. Da stand ich nun endlich und konnte mir meine heissersehnten Briefmarken kaufen, um sie gleich vor Ort auf die frischverpackten CDs zu kleben. Mit Hilfe eines mir eigens von dem Postschalterangestellten erbetenen Schwämmchen, machte ich mich frohgemuts an die Arbeit. Dabei viel mir ein, das ich mal dringend das Thema, angeblich nicht frankierter Briefe anschneiden wollte. Eine zeitlang sind nämlich des öfteren ein paar der CD- Aussendungen wieder zurückkommen. Das Problem ist folgendes, man ertränkt die Briefmarken fast, um auch ja jedes Partikelchen Klebstoff anzulösen, klebt sie pitschnass auf die Umschläge und padautz, die Briefmarken lösen sich wie von Geisterhand wieder. Man muss immer zwei- bis dreimal nach drücken und kontrollieren. Die Konsequenz ist, man nimmt sich alle Briefe nochmal vor um eine Nachbehandlung durchführen, was eigentlich leicht übertrieben ist. Die Wissenschaft müsste längst dazu fähig sein einen Klebstoff zu entwickeln, der auch nach einmaligem befeuchten auf Pappe oder Papier hält. Ich versuchte also das Thema anzusprechen. Oh, einen Moment noch, man sollte dazu wissen das ich meine eigenen Untersuchungen angestellt habe! Nach meinen Recherchen ist es nämlich so, das nur dann Briefe zurückkamen wenn mir die immer freundlichen Postangestellten (verdammt, ich will immer noch Beamte sagen) bei dem bekleben der Umschläge geholfen haben. Später, als ich dann niemandem mehr vertrauend alles selber machte, ging die Rückfuhrquote auf gleich Null! Ich bin ja nochnichtmal so paranoid den armen Gestalten in der Post Geschäftemacherei vorzuwerfen, aber an dem Klebstoff gabs meiner Mieinung nach allemal was zu meckern. Also wagte ich die Frage die mir schon lange auf der Seele brannte: "Sagen sie mal, können sie mir helfen, wissen sie woran das liegt? Es sind schon öfter Sendungen zurückgekommen, ich vermute das es daran liegt das die Briefmarken unterwegs abgehen, weil sie so schlecht kleben." "Joo............das liegt daran.... das sie so komische Pappumschläge haben... ne, .........da kleben die nu`mal halt `nen bischen schlecht drauf, wissen`se?" Das musste erstmal geschluckt und verarbeitet werden. Schnell hatte ich meine Fassung wieder und fragte ganz scheinheilig welche Umschläge denn von der Post empfohlen werden. "Joo............gucken`se doch mal da an der Säule... hinter ihnen .........da is alles was wir haben!" "Soll das heissen, das der postlerische Klebstoff nur mit Post-Umschlägen kompatibel ist??" Eine Fangfrage zugegeben, das waren fiese Geschütze, aber inzwischen juckte es mich wirklich endlich mal die Wahrheit über diesen Verein rauszufinden, und ich hatte das Gefühl ich war dem Nirvavana schon verdammt nahe! "Nööööö.....wieso??!" "Naja, das heisst doch im Klartext, das ich in Zukunft meine Umschläge bei der Post kaufen muss, wenn ich keine Probleme mit dem Klebstoff haben will, oder?" "Jooo........das heisst das wohl...... die Umschläge sind halt die besten....nee?!" "Könnte es eventuell sein, das der Klebstoff den sie für ihre Briefmarken verwenden, einfach Scheisse ist, und es garnicht daran liegt das die Umschläge falsch sind, sondern vielmehr der Klebstoff von der Post???!!!!!" Ich wurde langsam grantig, bekam Oberwasser, dachte, gleich hab ich ihn, gleich windet er sich und gibt zu, das die Post das allerletzte ist und sofort in die Luft gesprenkt gehört, ein absoluter Neppverein eben, viel schlimmer noch als damals, als es noch Beamte gab und alles seine Ordnung hatte, scheinbar wenigstens. "Was regen`sesich denn so auf hier, kann ich etwa was dafür das ihre Briefmarken nich kleben?.......und ausserdem nich in sonem Ton bitte...! Ich hab ihnen die Information gegeben die sie wollten......und wenn ihnen das nicht passt, dann tut mir das leid für sie, sie können mich doch nicht dafür verantwortlich machen, das ihre Briefmarken nicht kleben ..und schon garnich in dem Ton.....!" Das Dumme war, er hatte ja auf eine Art sogar recht, ich konnte ihn natürlich tatsächlich nicht persönlich dafür verantwortlich machen das diese Scheissbriefmarken nicht klebten. Aber das diese kleinen Würstchen an den Schaltern jetzt auch schon auf Durchzug, Kundenabfertigung und Selbstschutz geschult werden, war mir bis zu diesem Zeitpunkt nicht klar. Die ganze Sache lief zwar nicht so unterschwellig und obergemein ab, wie wenn man sich über Telefon bei der Post versucht zu beschweren; da wird man ja immer sofort an diese fiesen arschlöcherigen Wichser weitervermittelt, die dann voll auf verständnisvoll machen, aber trotzdem diese - ich stell mal auf Durchzug, weil sie sind gerade ein bischen hysterisch Nummer - drauf haben. Im Prinzip ist es das gleiche. Man steht da und denkt, das einzige was man jetzt noch machen könnte, ist dem Typen so die Fresse zu polieren und ihm einzutrichtern, das er nicht für so einen Verarsche-Verein arbeiten muss, wenn er nicht will, sondern sich einen ehrlichen Job suchen könnte; das er es sich vielleicht endlich mal merkt.... Anstatt dessen hielt ich mein Maul. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, ich war aber auch einfach am Ende mit meinem Latein. Also ging ich meiner Wege. Ich kenne Leute, die an dem Punkt erst richtig anfangen. Bei mir ist das nicht so, ich resignier da sehr schnell. Das schlimme war, das ich die ganze Zeit wusste, das ich draussen dem Jimi Hendrix Imitator in die Arme laufen würde..... Nachtrag: Der Soundtrack zu
der Geschichte ist übrigens von Thelonius Monk! |
||||||||||