| Alleskönner,
Mythensänger und Obdachlose
Jim Dodge
Die Kunst des Verschwindens / rororo
Dieses Buch klang
nach ein paar vergnüglichen Stunden, ähnlich denen, die ich
mit der Trilogie der Illuminaten vor mehr als zehn Jahren verbracht
hatte. Schliesslich sollte es sich hier um eine Geheimorganisation handeln,
eine Gruppe von Wissenschaftlern, Künstlern und Mystikern, die
gegen den Staat kämpfen. Normalerweise ein Thema, welches mich
zum absoluten stillsitzen bringt. Das es sich hier vorwiegend um Mystiker
dreht (man beachte die Geschlechtszuweisung, keiner der Weisen ist eine
Frau, überhaupt haben Frauen bei Jim Dodge nur die Aufgabe sich
poppen zu lassen und/oder ein bischen verrückt zu sein), und die
Wissenschaft sowie die Kunst zu kurz kommt, hätte man mir auch
vorher sagen können. Bis auf den bodenständigen Safeknacker
handelt es sich bei den "Meistern" um durchgedrehte Drug-user,
alte Indianerhäuptlinge, Pokerkönige, Verwandlungskünstlern,
Lehrern bei denen man sich in Geduld übt und zuguterletzt dem Chef
Magier Volta, bei dem man lernt wie man verschwindet. Der arme Junge
Daniel Pearse ist dazu verdonnert bei all diesen Idioten in die Lehre
zu gehen, bevor er seinen ersten Cou landet. Endlich auf eigenen Füssen
dreht das Würstchen durch und verschwindet für immer, so im
grossen und ganzen das Szenario.
`Ne schöne Terrortruppe ist mir das, ehrlich! Nennt sich AMO, Alchimisten,
Magier und Outlaws oder Alleskönner, Mythensänger und Obdachlose
- in deren Fänge möchtest du nicht geraten. Die Geschichte
rankt sich um einen Plutoniumdeal (AKW Nein Danke lässt grüssen)
"der wahren Braut Frankensteins im alchemistischen Sinne: magisch,
mitreissend, mächtig aber ohne Seele", in deren Verlauf die
Mutter des Jungen getötet wird und er nur knapp davon kommt. Ab
da sind Frauen wirklich nur noch Randfiguren, entweder alt und sexlos
oder jung und gut zum pimpern, allerdings nur einmal. Ein zweites Mal
ist nicht drin, und obwohl das kein wirklich grosses Problem für
unseren Helden ist, versucht er herauszubekommen woran`s liegt, schlussendlich
bleibt der Autor allerdings die Antwort schuldig.
Der einzige wirklich etwas spassige Moment war die Stelle als Daniel
bei dem Verkleidungskünstler war und lernen musste, wie man sich
als Frau verkleidet: "Ach du grüne Neune! .......man würde
dich auf der Stelle als Transvestisten verhaften lassen und jede Drag-Queen,
die was auf sich hält, würde der Polizei auch noch helfen."
Leider fiel dem Autor zur eigentlich tollen Themathik Verwandlungskunst,
Rollen in dieser unseren Gesellschaft, Gender usw. nur soviel ein: Daniel
wird am Flughafen in NYC von einer pakistanischen Schönheit abgeholt,
sie flirten, verabreden sich zum essen und als er sie dann endlich zuhause
hat und ihr unter den Rock fassen kann...... Ätschebätsche,
da ist es der hässliche Lehrer, der seinem neuen Schüler erstmal
zeigen musste wo der Verwandlungskunst-Hammer hängt. Gääähn!!!!!
Wo Thomas Pynchon da die "endlose Party, zu Ehren aller Dinge auf
die es ankommt" sieht, räusper, ist mir wirklich ein komplettes
Rätsel. Und dabei muss ich gestehen, dass ich erst über Pynchon
auf dieses Buch aufmerksam geworden bin. Wenn ich mal ein Buch veröffentliche,
lass ich mir ein Vorwort von Lydia Lunch schreiben, das zieht bestimmt
auch ganz toll!
Das war nix, sorry Jungs, ein weiterer Fehlversuch.
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