Schrappnellistischer
"postfeministischer" Antischeiss
"EVIE" Zehn Strophen eines Lebens / Roman
von Elissa Schapell
Schon der Buchumschlag
lässt nix gutes ahnen, ein dünnes verschüchtertes Mädchen
in SpagettiträgerT-Shirt, sitzt da, mit dem Blick verschämt
nach links unten auf den Boden gerichtet. So was will die Welt nun wirklich
nicht mehr sehen!!
Wenn man das Buch aufschlägt wird es leider nicht besser. Da gibt
es diese amerikanische Mittelstandsgöre, namens Evie und ihre Freundin,
die eher von der gehobenen Klasse ist, zumindest besitzt sie eine Kreditkarte
von Papa. Beide sind so am College und ficken ein bischen rum, die eine
mit älteren Männern, weil ihr Papa hat sie verlassen und treibt
sich jetzt mit Frauen um die zwanzig, in der Karibik rum. Die andere
fickt nicht, weil ihr Papa noch da ist. Die Betonung liegt auf noch,
weil er nämlich Krebs hat , aber er hält sich wacker, wie
sich das für Papas gehört. Später, als sie dann ein paar
Monate zusammen in Amsterdam verbringen, in einer Wohnung die der einen
von ihrem Vater zum Abschluss geschenkt worden ist (von dem, der sich
jetzt in der Karibik rumtreibt), kommt die andere unter die Haube. Just
in dem Moment wo ihr Papa den letzten Kampf mit dem Krebs aufnimmt,
lässt sie sich ein Kind machen von einem Punk und Hausbesetzter
("Bei besetztes Haus muss ich immer an besetztes Klo denken"?!),
der sich später als Studiomusiker entpuppt, und heiratet ihn. Um
das Kind zu kriegen geht sie in ein Kloster. Man bedenke bitte, diese
Geschichte spielt nicht im letzten Jahrhundert sondern in den Zeiten
von Liz Phair, Courtney Love, Madonna und Team Dresch. Aber die Geschichte
mit dem Kloster ist noch nicht das Ende der Fahnenstange, ab da wird's
nämlich nochmal richtig wild. Sie bekommt dann noch ein zweites
Gör, was sie nicht abstillen mag, weil es so sexy ist, sich von
dreijährigen Hosenscheissern die Brustwarzen zerbeissen zu lassen.
Sie geht sogar mit Leidensgenossinnen auf die Strasse, um für ihr
Recht zu kämpfen das auch öffentlich tuen zu dürfen,
Gott bewahre!! Es ist übrigens das erste und letzte Mal, das die
beiden Tussi`s was wollen und dafür eintreten.
Achja, es gibt übrigens auch Mütter, aber die sind erwartungsgemäss
noch neurotischer als die Blagen selber, gehen also als glühendes
schlechtes Beispiel voran. Die eine bringt der Tochter bei wie man kotzt,
und das man sich danach so sauber fühlt, "Lass den Dreck raus....!",
ausserdem ist sie Hundeerzieherin. Die andere Mutter lässt sich
eigentlich nicht mehr zu Schulden kommen, als gelocktes, und deshalb
"feministisches" Haar zu besitzen und Frankreich, Froschschenkel
und Wein zu mögen. Diese Mutter ist allerdings diejenige,die dann
zum Leidwesen aller in diesem Buch auch noch die Grossmutter werden
muss, womit sie das wohl verdient hat?!
Aber danach wird ja garnicht gefragt, entschuldigung! Es geht ja darum,
irgendwelchen kruden "postfeministischen" Antischeiss zu verbreiten,
als wenn es um Ehrenrettung ginge. Und versuch mir ja keiner zu erzählen,
das das jetzt aber eigentlich derbe subversiv ist, man das nur nicht
so schnell schnallt, weil man da um ein paar Ecken denken muss, und
all den Scheiss, Bullshit!!
Elissa Schrappnell, `tschuldigung Schappell, sollte ganz schnell wieder
in die Redaktion von "Vanity Fair" verschwinden, wo sie sich,
sicher sehr gewissenhaft um das Gewicht von irgendwelchen Supermodels
kümmert und die ganzen Modemacheridioten, die nichts weiter können
als Bohnenstangen zu behängen, anzuhimmeln.
Auf jeden Fall sollte sie um Himmels Willen kein Buch mehr schreiben.
Fay Weldon, die der Meinung ist, das jede Frau sich in "Evies Lebenslauf"
wiederfindet, ihren Wünschen, ihrer sympathischen Menschlichkeit
und ihrem alltäglichen Überlebenswillen (ich könnte kotzen),
soll mal ganz schnell wieder ihre Klappe halten und an den Herd zurückkehren.
Kathrin Steigerwald, zuständig für die Umschlaggestaltung
(s.o) und Whitney Otto, die das alles heiter und anrührend findet,
dürfen auch nach Hause gehen. Dem Verlag wünsche ich baldigen
Bankrott, oder einen Satz neue Lektorinnen. That`s it!
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